Ob ich mir vielleicht doch etwas zu viel vorgenommen habe?

Die Fülle der Bauteile, die ich in der sehr schönen Assemblierungsbox vorfinde, ist doch etwas beängstigend. Und die Schräubchen und Federn sind doch verdammt klein, und ich bin zwar kein ausgesprochener Grobmotoriker und nicht völlig ungeschickt, aber so Fummelarbeiten waren bisher meine Sache nicht. Allerdings erweist sich der Zusammenbau beim Befolgen der sehr guten Bauanleitung dann doch als machbar und vor allem spannend. Nach zwei Nachmittagen – beim Einbau von Unruh und Anker komme ich dann doch etwas ins Schwitzen – ist das Werk fertig und es geht an die Überprüfung des Schlagwerkes. Doch dann: oje, die Glocke schlägt zweimal 12 und macht dann bei 2 weiter.

Was nun? Ah ja, die Bauanleitung hält offenbar eine Lösung parat: zunächst die Federhäuser entspannen – okay, hab’ ich – und dann, nächste Seite aufschlagen: alles wieder auseinandernehmen  und von vorne anfangen! Ach nee, das mache ich nicht. Federhäuser wieder aufziehen. Wenig später: aber wenn man schon so viel Zeit und Geld investiert hat, muss das Teil auch richtig laufen! Also Federhäuser wieder entspannen – und dann passiert es: den Aufzugsschlüssel einen Tick zu früh losgelassen, und mit einem schrecklichen Geräusch entspannt sich die Feder ruckartig, dabei löst sich durch die Wucht des Impulses eine der Schrauben, die das Werk im Halter hält, und die Achse des Laufwerk-Federhauses hat am Gewinde einen Knick. Kalt läuft es den Rücken runter… Aber es scheint sonst alles heil geblieben zu sein, und somit wird versucht, die Achse mit einer Zange wieder zu richten, und siehe da: der erneute Zusammenbau klappt, und es läuft alles. Beim zweiten Zusammenbau werden mir auch einige Funktionen der Uhr klar, auf die ich mich beim ersten Mal vor Anspannung nicht richtig konzentrieren konnte. So, Schlagwerk nochmal kontrollieren, müsste doch jetzt funktionieren – aber ach, erneut schlägt‘s zweimal 12.

Bevor ich mich an’s erneute Zerlegen mache – vielleicht kann der versprochene telefonische Support helfen? Aber es ist Samstagnachmittag, da wird doch bestimmt keiner zu erreichen sein. Aber versuchen kann ich es ja, und dann habe ich Herrn Neuwirth am Hörer, der sagt, dass er selbstverständlich gern weiterhilft! Ich bin schwer beeindruckt. Er hat einige Tipps, die zwar zunächst noch nicht zum Erfolgt führen, aber am nächsten Tag – Sonntag, Silvester – kommt noch ein entscheidender Rat per Mail: das laufende Werk einfach mal zwischen 11 und 1 sich selbst überlassen, und so wird’s gemacht, und dann funktioniert es schließlich! Das Anbringen der Zeiger und das Stellen der Uhr erweisen sich dann nochmal als Herausforderung (die Rutschkupplung sitzt doch ganz schön fest!), und es muss am Neujahrstag nochmal Hand angelegt werden, aber schließlich ist alles gut.

Fazit: eine schöne Idee, eine herausfordernde, aber (auch für Sonntags-Bastler wie mich) lösbare Aufgabe mit Lerneffekt, und schließlich eine schöne Retro-Uhr auf dem Schreibtisch.